Sehr geehrter Herr Gamisch,
jetzt erst bin ich dazu gekommen, die jüngste Ausgabe Ihres „Rheingau Echo“ zu lesen. Ich bin seit vielen Jahren Ihr treuer Leser und finde das Blatt mit seinen lebendigen Berichten über das kommunale Leben nicht nur informativ, sondern oftmals auch gut geschrieben. Nun komme ich gerade von einem Abend vor dem Fernseher mit den Berichten über die heutigen Landtagswahlen.
Danach kann ich mit Ihren Äußerungen über die „etablierten Parteien“ in Ihrem Kommentar wenig anfangen. Mit Ausnahme der Ministerpräsidentenbestätigungen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist CDU, SPD und Grünen ihre Parteipolitik nicht gut bekommen. Das liegt nicht an der AfD, sondern an diesen Parteien selbst. Sie haben sich unter Führung von Frau Merkel so weit vom Rechtsstaat, vom Parlamentarismus und besonders von den Interessen der deutschen Bevölkerung entfernt (Beispiele lassen sich leicht nennen), daß ihnen ihre bisherigen Wähler in Scharen davonlaufen und sogar Nichtwähler wieder in nennenswerter Zahl an die Wahlurne zurückkehren und einer inzwischen entstandenen Alternative ihre Stimme geben. Das hat also nichts mehr von „Bequemlichkeit“ an sich zu tun. Es ist kein Erfolg der „Rhetorik der Stammtische“ oder von „Attacken“ auf die „etablierten Parteien“ oder von „Rechtspopulismus“. Die Parteien zerlegen sich selbst – und zwar auf allen Politikfeldern.
Die Menschen lernen derzeit, weniger auf die Rhetorik zu achten, als vielmehr auf die Ergebnisse. Was wird de facto von den „etablierten Parteien“ geliefert? Alle die „Rettungen“ von Griechenland, Euro, Klima und fälschlich so genannten Flüchtlingen kosten Bürger und Wirtschaft zusammengenommen nicht Milliarden, sondern Billionen. Sie dienen der Bereicherung der Superreichen, der Einrichtung einer ineffektiven sozialistischen Planwirtschaft auf allen Gebieten und der Schwächung der finanziellen und politischen Situation der Deutschen.
Es ist selbst nach den jüngsten Nackenschlägen der beiden Sonntage kaum zu erwarten, daß die „etablierten Parteien“ hier dazulernen. Sie sind – mit Unterstützung vieler Journalisten – derart in ihrem Wolkenkuckucksheim hochnäsiger Verachtung der Wähler gefangen, daß selbst ein Abgeordneter wie Gerold Reichenbach, den ich noch als Landtagsabgeordneten als verträglichen Menschen kannte, jetzt in unsägliches totalitäres Gedankengut abgleitet. Ich füge meinen diesbezüglichen Offenen Brief an den Bundesvorsitzenden der SPD bei. Es steht zu befürchten, daß Gerold Reichenbach hier nicht eigene Gedanken wiedergab, sondern das in seinen Kreisen übliche Denken, das mit „Stammtischgeschwätz“ zu bezeichnen viel zu harmlos wäre.
Angesichts der negativen Ergebnisse der Politik der Parteien, die wegen deren Unfähigkeit zur Änderung ihres Kurses den Wählern in den nächsten Monaten und Jahren noch laufend deutlicher werden, erscheint mir der Gedanke abwegig, daß die Wähler sich wieder diesen Parteien zuwenden. Bei der AfD sammeln sich derzeit rechtstreu und demokratisch-parlamentarisch gesinnte ehemalige Wähler von CDU und SPD. Sollten diese Parteien zu ihrer Politik aus der Zeit vor Merkel zurückkehren, bräuchte es die AfD nicht.
Sie werden sicher wie ich die weitere Entwicklung nicht nur auf Bundesebene, sondern besonders auch auf regionaler Ebene aufmerksam verfolgen. Dabei werde ich auch verfolgen, ob Sie für die von mir angesprochenen gravierenden Fehler der Altparteien ein Sensorium entwickeln.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Thurmann
